„Dies ist keine Reform der Kirche“, sagte Pfarrer Dieter Qualmann
bei der 7. Tagung der 46. Synode am vergangenen Donnerstag in Rastede. „Wir
wollen mit Blick auf die Mitgliederentwicklung und die Finanzen lediglich
eine Strukturanpassung.“ Qualmann ist Vorsitzender der Steuerungsgruppe
der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, die den 60 Synodalen
vier Tendenzbeschlüsse zur Abstimmung vorgelegt hatte. Ausgangspunkt
und erklärtes Ziel der Beschlussfassung sollte es weiterhin sein,
bis 2010 in Einspar-volumen in Höhe von 12,5 Millionen Euro zu erreichen.
Wie der Vorsitzende der Steuerungsgruppe in seiner Einbringungsrede erklärte,
stehe dabei „grundsätzlich alles zur Disposition, „auch
die Leitungsebene“. Er bat die Synodalen um grundlegende Weichenstellungen
für eine intensivere Kooperation zwischen Kirchengemeinden und Kirchenkreisen,
eine Neukonzeption der kirchlichen Dienste und die Zentralisierung von
Verwaltungsaufgaben.
Nach eingehenden Beratungen in vier Arbeitsgruppen stimmte die
Synode den vier Be-schlussvorschlägen im Grundsatz zu. Kleinere Änderungsvorschläge
dienten lediglich der Ergänzung oder Präzisierung.
Danach wurde die Steuerungsgruppe beauftragt, einen inhaltlichen
Rahmen für die Neustrukturierung der Arbeit auf Gemeindeebene
zu entwi-ckeln. Dabei soll unter anderem die pfarramtliche Tätigkeit
dargestellt und die Aufgaben der Haupt- oder Ehrenamtlichen konkret
definiert werden. Die Notwendigkeit von Fort- und Weiterbildung
soll dabei ebenso berücksichtigt werden wie arbeitsteilige
Organisa-tionsformen mehrerer Gemeinden. Dabei wird ins Auge
gefasst, „kreative Potentiale“ bei der aufgabenorientierten
Umgestaltung der Gemeindearbeit durch finanzielle Anreize zu
fördern. Für die Kooperation innerhalb eines Kirchenkreises
oder zwischen mehreren Kirchenkreisen soll die Steuerungsgruppe
nach der Beschlussfassung der Synode für die in Frage kommenden
Aufgabenbereiche „die rechtliche, personelle und finanzielle
Struktur“ aufzeigen.
Gleichzeitig erbat die Synode von der Steuerungsgruppe eine
Konzeption darüber, welche kirchlichen Dienste mittelfristig
in der Oldenburgischen Kirche vorgehalten werden sollen und auf
welcher Ebene diese anzusiedeln seien. In der Frage der Verwaltungsstrukturreform
entschied sich die Synode mehrheitlich dafür, die Möglichkeit
einer zweigliedrigen Verwaltung mit der Zentralisierung in einem
Amt und sogenannten „Kirchenbüros“ vor Ort zu
prüfen. „Das muss erst noch genau durchgerechnet werden“,
stimmte Qualmann den Bedenken einiger Synodaler in der Aussprache
zu. Oberkirchenrat Dieter Schrader wies in diesem Zusammenhang
darauf hin, dass die Autonomie der Kirchengemeinden durch eine
Zentralisierung nicht berührt wäre.
Die endgültige Entscheidung über eine neue Verwaltungsstrukur
ist nach dem Hinweis von Dieter Qualmann jedoch nicht zu trennen
von der noch ausstehenden Entscheidung über die künftige
Leitungsstruktur. Endgültige Beschlüsse sind nach der
Ankündigung des Vorsitzenden der Steuerungsgruppe in der
Frühjahrssynode 2006 zu erwarten. Erste Veränderungen
sollen bereits im Jahr 2007 greifen.
oeh
|