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Einblicke in die Arbeit von Pfarrer Rainer
Schumann, Beauftragter für Sekten und Weltanschauungsfragen der
Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg
Die Kirche lebt seit über hundert Jahren mit der Wirksamkeit der
"klassischen Sekten". Seit Anfang der siebziger Jahre sind zu den
alten auch neue Sekten sowie neuen religiösen Gemeinschaften, Bewegungen
und Strömungen, aber auch Pseudoreligionen und Psychokulte hinzugekommen.
Mindestens in den großen Städten werben und arbeiten nicht nur
Vertreter der klassischen großen Weltreligionen (Islam, Hinduismus,
Buddhismus usw.), sondern auch deren Abspaltungen und Sondergruppen.
Und schließlich sind da auch die (in den 70er-Jahren so genannten)
"Jugendreligionen" oder "totalitären Kulte", Führerbewegungen sehr
unterschiedlicher Herkunft.
Alle diese sehr verschiedenartigen Gruppen und Bewegungen sind
heute in einer mit früheren Erfahrungen unvergleichbaren Weise tätig
und wirksam: Sie agieren heute nicht mehr punktuell und lokal begrenzt,
sondern flächendeckend. Und ihre Aktivitäten beziehen alle Bereiche
des Lebens ein. Sie beschränken sich also nicht auf "kirchliche"
und religiöse Bereiche im engeren Sinne, sondern beziehen Wissenschaft,
Pädagogik, Medizin und Heilwesen, Kultur, Industrie, Politik usf.
ein.
Dies alles bedeutet große Herausforderungen für die christliche
Kirche, aus der sich die Aufgaben für die kirchlichen Beauftragten
für Sekten- und Weltanschauungsfragen ergeben. Die Kirchen sind
aber nicht allein zuständig. Andere werden zunehmend aktiv, besonders
der Staat auf dem Gebiet der Gesetzgebung, der Verwaltung und der
Rechtsprechung. Daneben gibt es Selbsthilfegruppen und Experten,
die sich der Probleme annehmen.
Die kirchlichen Sekten- und Weltanschauungsarbeit kann sich deshalb
auf ihre besonderen Stärken besinnen: sie hat das Vertrauen vieler
ratsuchender Menschen sie hat das Verständnis für religiöse Sehnsüchte
und für die vielfältigen, bisweilen auch negativen Ausdrucksformen
religiöser Suche. Ihr Menschenbild gibt ihr ein Fundament, um Kritik
an destruktiven Praktiken zu üben und sich an die Seite der Opfer
unmenschlicher Verhältnisse zu stellen, die es in einigen religiösen
und weltanschaulichen Gemeinschaften gibt. Allerdings muß sie auch
ihre eigenen Aktivitäten und Gruppen an den Maßstäben messen, an
denen sie andere mißt.
Wir wollen deshalb Verständnis für das Fremde wecken, Dialoge fördern
Andere Frömmigkeitsformen verstehen, die Fähigkeit zur nötigen Auseinandersetzung
stärken
Die Freude am eigenen christlichen Glauben in der Begegnung erleben,
Achtung vor dem anderen Glauben gewinnen Problematische Praktiken
beim Namen nennen, uns mit einseitigen und gefährlichen Ideen geistig
und praktisch auseinandersetzen, dabei die eigenen Defizite und
Schwächen nicht vergessen
Information und Orientierung, Beratung und Seelsorge anbieten
Den Betroffenen in Konflikten zur Seite stehen, ein offenes Ohr
für die Belange religiöser Minderheiten haben.
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